Eine Encointer Community

Leu-Rettung 06.2022

Was ist passiert?

Der Leu ist am Freitag, 24. Juni wegen eines Softwarefehlers aus der Encointer-Blockchain gelöscht worden und alle Leu*innen sahen keine Leu mehr in der «Encointer Wallet»-App. Am Sonntagabend, 26. Juni waren dann alle Konti wiederhergestellt. Die Benutzer*innen mussten jedoch erneut die Leu-Gemeinschaft in der App auswählen, um ihre Leu wieder benutzen zu können.

Warum ist das passiert?

Die Encointer-Blockchain ist so programmiert, dass inaktive Gemeinschaften gelöscht werden, um Platz zu machen für neue Initiativen in der gleichen Region. Aufgrund eines Programmierfehlers, welcher im Rahmen umfangreicher Tests der Encointer-Entwickler nicht entdeckt wurde, wurde die Leu-Gemeinschaft für inaktiv gehalten und nach einer Toleranzzeit von sechs Zeremonien gelöscht.

Wie wurde das Problem gelöst?

In Zusammenarbeit des Leu-Komitee mit dem Verein Encointer wurde übers Wochenende kurzerhand eine neue Leu-Gemeinschaft auf der Blockchain registriert. Damit am Montag, 27. Juni alle wieder gleich viele Leu auf ihrem Konto hatten, wurde am Samstag eine neue sogenannte «Bootstrapping-Zeremonie» mit einem Gemeinschaftseinkommen von 1’077 Leu für je drei Bootstrapper durchgeführt. Am Sonntag war die Geldmenge der neuen Leu-Gemeinschaft somit gleich gross wie zuvor. Glücklicherweise vergisst die Blockchain nichts und sämtliche Kontostände konnten abgefragt werden. Die neu geschöpften Leu wurden wieder entsprechend der Kontostände vor dem Zwischenfall verteilt. Somit ging kein Geld verloren und es entstand auch kein neues.

Wieso konnten wir nicht einfach ein Backup wiederherstellen?

Die Encointer-Blockchain ist dezentralisiert, d. h. es gibt keinen Administrator, welcher ein Backup wieder hätte herstellen können. Der Verein Encointer hat nur Einfluss auf die Parameter der Zeremonien. So können fünf Mitglieder des Vereins über den Rhythmus (alle zehn Tage), die Höhe des Gemeinschaftseinkommens (22.– Leu) und die Höhe der Demurrage (1,35% pro Woche) demokratisch abstimmen. Rückwirkende Massnahmen sind nicht möglich.

Es gibt zwar durchaus eine höhere Instanz in dieser dezentralisierten Welt: Die Kusama-Blockchain, welche Encointer als Gemeingut aufgenommen hat. Wir hätten die über die ganze Welt verteilten Besitzer*innen der KSM-Tokens um Hilfe anrufen können. Diese hätten ein Rollback der Encointer-Blockchain und damit des Leu verfügen können, womit das Problem hätte gelöst werden können. Allerdings hätte dieser Prozess mindestens zwei Wochen gedauert. Zudem besagt eine ungeschriebene Regel, dass diese mächtige Instanz nur angerufen wird, wenn es wirklich keine andere Möglichkeit gibt. Das Leu-Komitee hat deshalb entschieden, den Fehler zu akzeptieren und die Konsequenzen zu tragen. Durch das gewählte Vorgehen erfährt die Geschichte des Leu zwar eine Zäsur, aber wir haben es geschafft, dass der Leu innert drei Tagen wieder funktionierte und die meisten Leu*innen kaum etwas gemerkt haben.

Kann das wieder passieren?

Der Fehler auf der Encointer-Blockchain besteht aktuell noch immer, aber wir haben jetzt nochmal 50 Tage Zeit, diesen zu beheben, bevor er wieder zuschlägt. Das Beheben des Fehlers ist ganz leicht, bedingt aber ein Code-Update der Encointer-Blockchain. Der Verein Encointer wird den Kusama-/KSM-Besitzer*innen dieses Code-Update vorschlagen und zur Abstimmung vorlegen. Wir werden die Änderungen in diesem Update detailliert dokumentieren und rechnen aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen nicht mit nennenswerten Gegenstimmen.

Trotzdem: Der Leu basiert auf Software und Software ist grundsätzlich nie komplett fertig und fehlerfrei. Wir tun unser Möglichstes, um Fehler zu entdecken, bevor sie im Produktivsystem auftreten. Und doch müssen wir euch um Nachsicht bitten: Der Leu ist ein äusserst innovatives Experiment. Dies geht zwangsläufig mit Risiken einher.

Gleichzeitig werden wir mit diesem Update einige weitere Verbesserungen einführen. So wird das Beziehen des Gemeinschaftseinkommens künftig in zweifellosen Fällen sofort nach der Versammlung möglich sein und das Registrieren für die nächste Zeremonie ist dann auch sofort wieder möglich.

Warum wurden so viele Newbies keiner Zeremonie zugewiesen?

Es ist wichtig zu verstehen, dass der Leu nur organisch wachsen kann. Nach dem Erscheinen des «20 Minuten»-Artikels erlebten wir einen Ansturm von ungewöhnlich vielen Newbies, welche an einer Zeremonie teilnehmen wollten. Dies freut uns natürlich sehr. Die Encointer-Blockchain definiert aber die Regel, dass an jeder Zeremonie nur 1/3 Newbies zugelassen werden. Dies ist ein Schutz vor allfälliger «feindlicher» Übernahme: Das Encointer-Protokoll nimmt an, dass sich die Mehrheit der Teilnehmer*innen an die Regeln hält. Ohne die 1/3-Regel könnte ein Angreifer eine grosse Anzahl erfundener Personen registrieren und hätte gute Chancen, eine Mehrheit an einigen Versammlungen zu ergattern und zu seinem Vorteil gegen die Regeln zu verstossen. Ein dezentrales System hat nun mal ganz andere Herausforderungen als eine Bank.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, weshalb an der letzten Zeremonie nur wenige Personen zugewiesen wurden. Bei der oben beschriebenen Rettungsaktion ist nämlich ein wichtiger Punkt vergessen gegangen: Jede Versammlung braucht einen Standort aus einer Liste von vordefinierten Standorten. Diese vordefinierte Liste hatte beim «neuen» Leu leider nur einen Standort: den Turbinenplatz. Somit wurden lediglich 10 Personen zugewiesen. Wir entschuldigen uns bei allen Teilnehmer*innen. Für die Zeremonie vom 12. Juli werden wieder genügend Standorte zur Verfügung stehen.

Warum wurde ich als «Endorsee» registriert?

Encointer-Gemeinschaften können durch persönliche Empfehlung zu Beginn etwas schneller wachsen als 1/3 pro Zeremonie. Nur Bootstrapper, also die ersten zehn Leu*innen, können «Endorsements» vergeben für Leute, die sie persönlich kennen oder denen sie physisch begegnen. Diese Empfehlungen sind beschränkt. Jede*r Bootstrapper*in kann zehn Personen empfehlen.

Aufgrund der oben beschriebenen Leu-Rettungsaktion haben wir nun diese Empfehlungen temporär erhöht und eingesetzt, um sicherzustellen, dass alle bisher bestätigten Teilnehmer*innen eine garantierte Zuweisung für die nächsten zwei Zeremonien erhalten. So haben wir auch wieder mehr Platz für Newbies.